Content

oben / top  |  Navigation  |  Navigation (Breadcrumb Trail)  |  Navigation (untergeordnet)  |  Inhalt / Content  |  unten / bottom

Geschichte
 

Gründung
 
Am 6. November 1933 trafen sich im so genannten Afrika-Haus, dem Sitz der Hamburger Reederei C. Woermann in der Großen Reichenstraße, Vertreter deutscher Handelshäuser und „Pflanzungsgesellschaften“, um einen gemeinsamen Interessenverband für den Afrika- Handel zu gründen. Der "Afrika-Verein Hamburg-Bremen" wurde zum 1. Januar 1934 im Vereinsregister eingetragen, am 17. Januar 1934 fand die erste Generalversammlung statt.

 

Die 1921 erbaute Wangoni des Gründungsmitglieds Deutsche Afrika-Linien.

Die Planung und Verwirklichung des Vereins im ersten Jahr nach der "Machtübernahme" der Nationalsozialisten war kein zufälliges zeitliches Zusammentreffen, wenngleich die Hintergründe für die Initiative weiter zurückreichten. Das Bedürfnis der beteiligten Unternehmen, sich in einem Interessenverein zusammenzuschließen, hatte sich bereits im Zuge der Weltwirtschaftskrise formuliert. Durch den Preissturz afrikanischer Produkte ab 1929 war der Afrika-Handel deutlich geschrumpft. Für deutsche Firmen hatte sich die Krise noch verschärft, als Großbritannien 1931 den Goldstandard für das Pfund Sterling, über das ein Großteil des Afrika-Geschäfts abgewickelt wurde, aufgehoben hatte und in der Folge die britische Währung auf ein Drittel ihres Wertes gefallen war.

 
 

II. Weltkrieg und Wiedergründung

Während des Krieges fand der Afrika-Verein seine Hauptaufgabe darin, als Kontaktstelle für Angehörige und Unternehmen zu internierten Deutschen in Gefangenenlagern in Afrika zu fungieren. Der Verein sammelte jährlich Spenden, um beispielsweise 1941 "300 Internierte in den verschiedenen Lagern persönlich mit Liebesgaben durch das Rote Kreuz (Rauchwaren, Reinigungsmittel, Seife, Süßwaren, Bücher usw.)" zu versorgen. Unmittelbar nach Kriegsende legte der amtierende Vorstand des Vereins seine Ämter nieder. Zum kommissarischen Vorsitzenden wurde Rudolph Helm (Hansing & Co.) ernannt. Am 25. Mai 1948 rief Helm die erste Mitgliederversammlung des Afrika-Vereins nach Ende des Krieges ein. Der Verein zählte zu diesem Zeitpunkt nur noch 44 Firmen- und 7 persönliche Mitglieder.

 

Schwieriges Geschäft in Afrika
 
In den 1970er Jahren zeigte sich immer deutlicher, dass sich die großen Hoffnungen auf ein anhaltendes, solides Wachstum für viele Länder in Afrika nicht erfüllen würden. Die erste Ölkrise belastete die nicht- Erdöl exportierenden Länder des Kontinents schwer und die Auslandsverschuldung stieg. Eine ganze Reihe regional und national unterschiedlicher Faktoren trug dazu bei, dass das Wirtschaftswachstum in den meisten Volkswirtschaften Afrikas stark gebremst wurde oder stagnierte, dazu zählten auch die schweren Dürren in der Sahel-Zone. Die Mitgliederzahlen des Afrika-Vereins stagnierten in den1970er Jahren oder waren teilweise rückläufig, was vor allem auf Firmenfusionen und Firmenaufgaben im Afrika-Geschäft zurückzuführen war. Die wirtschaftliche Situation vieler afrikanischer Staaten verschlechterte sich in den 1980er Jahren weiter, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Zinslasten, fallender Rohstoffpreise und ungünstiger Wechselkursverhältnisse zum Dollar. Die Abhängigkeit von internationalen Wirtschafts-, Finanz- und Hilfsorganisationen stieg. Unfreiwillig nahm eine Risikoberatung in der Arbeit des Afrika- Vereins einen größeren Raum ein.

 
 

Der Vorstand des Afrika-Vereins zusammen mit Bundespräsident Köhler, Wirtschaftsminister zu Guttenberg und der Kommissarin der Afrikanischen Union Tankeu

Chronik des Afrika-Vereins seit Mitte der 90er Jahre
 
Die geringeren Einnahmen der Rohstoffländer und beträchtlichen Reformkosten führten kurz- und mittelfristig zu einer wirtschaftlichen Schwächephase die auch der Afrika-Verein rund ein Jahrzehnt zu spüren bekam. Der Mitgliederrückgang bedeutete sinkende Einnahmen für den Verein, der seinen Haushalt entsprechend kürzen musste. Die notwendigen Kürzungen konnten nur durch Personalentlassungen erreicht werden. Das Jahr 1997 brachte für den Afrika-Verein eine Zäsur. Nach über 39 Jahren als Geschäftsführer des Afrika-Vereins trat Dr. Martin Krämer 1996 in den Ruhestand. Dr. Krämer hatte den Afrika-Verein in seiner hanseatischen Tradition geführt und ihn sowohl in seiner Mitgliedschaft als auch seinen Aktivitäten kontinuierlich ausgebaut. Den zwischenzeitlichen negativen Trend der späten 1980er und frühen 1990er Jahre konnte er selbst jedoch nicht mehr umkehren. Diese zugleich schwierige und herausfordernde Aufgabe kam dem neuen Geschäftsführer Hans W. Meier-Ewert zu, der dieses Amt bis zum 31. Mai 2012 ausübte.

Das Informationsangebot für die Mitglieder konnte durch die neuen technischen Möglichkeiten ausgebaut und tagesaktuell gestaltet werden. Mit dem neuen Erscheinungsbild und der internen Neuausrichtung wurden auch die Beziehungen nach außen verändert. Dazu gehörten eine verstärkte Lobbyarbeit in Bonn und der Aufbau eines Netzwerks von Kooperationspartnern in Afrika. In Afrika wurden Vereinbarungen mit so genannten Antennen – meist lokalen Handelskammern aber auch deutschen Auslandshandelskammern – getroffen, welche die Präsenz des Afrika-Vereins in Afrika stärkten. Die ersten Antennen des Vereins entstanden in Algerien, Libyen, Kongo und Senegal. Innerhalb Deutschlands wurde unterdessen die regionale Präsenz des Afrika-Vereins gestärkt.

 
 

 

zurück

 

 

 

Das Gründungstreffen für den Afrika-Verein fand im "Afrika-Hause" in der Großen Reichenstraße 27 in Hamburg statt.
Lothar Bohlen, erster Vorsitzender des Afrika-Vereins

Eine scharfe Konkurrenz zwischen den verbliebenen deutschen Unternehmen im Afrika-Handel wurde vor diesem Hintergrund sowohl von Kaufleuten als auch von Seiten der Politik zunehmend als bedrohlich und unerwünscht angesehen. Bei einem Teil der Unternehmer wurde der Ruf nach einer Politik der Rückforderung ehemaliger deutschen Kolonien lauter, da diese einen sicheren Handelsraum versprachen.

Zum Vorsitzenden des Afrika-Vereins wurde einer der Geschäftsführer der Woermann-Linien, der Kaufmann Lothar Bohlen,  gewählt. Bohlen reiste 1935 im Auftrag des Vereins entlang der Westküste Afrikas nach Südafrika, um Informationen für den Handel einzuholen und vor Ort Kontakte zu knüpfen. Im Anschluss berichtete er über den wirtschaftlichen Boom in Südafrika, an dem er sich für die Zukunft einen größeren Anteil für deutsche Unternehmen erhoffte.

 
 

Die Unabhängigkeit Afrikas
 
Ab den späten 1950er Jahren stand die Arbeit des Afrika-Vereins ganz im Zeichen der Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Länder. Die Hauptaufgaben des Vereins bildeten die Anknüpfung von Beziehungen und die Kontaktpflege zu Vertretern der Politik und Wirtschaft in den neuen Nationalstaaten, eine intensive Marktbeobachtung und die Analyse der politischen Entwicklungen. Mehr afrikanische Besucher denn je besuchten die Bundesrepublik, wobei der Afrika-Verein eine beliebte Anlaufstelle war und als wichtige Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft für beide Seiten fungierte.

 

Der Afrika -Verein im Wiedervereinten Deutschland
 
Die erste Hälfte der 1990er Jahre stellte für den Afrika-Verein eine sehr schwierige Phase dar. Nach dem Ende des Ost- West-Konfliktes entfalteten sich zwar in Afrika Demokratisierungsbewegungen, die auch in wirtschaftlicher Hinsicht optimistisch für die Zukunft stimmten. Doch das Interesse vieler Unternehmen konzentrierte sich auf Wachstumspotentiale in Osteuropa, das Interesse an Afrika sank. Der Verein beklagte zudem ein in der deutschen Presse gezeichnetes Bild vom "Katastrophenkontinent Afrika". Von politischen Problemen in Einzelstaaten bis hin zu dem Völkermord in Ruanda werde undifferenziert auf den Gesamtzustand eines ganzen Kontinents geschlossen. Der Fatalisierung Afrikas in der Presse und der Marginalisierung in Politik und Wirtschaft versuchte der Verein entgegenzuwirken. Er verwies auf positive wirtschaftliche Entwicklungen in Ländern wie beispielsweise Ghana, Botswana oder Mauritius, unterstrich Erfolge im Schuldenabbau, hob regionale und branchenspezifische Wachstumschancen hervor und versuchte, immer wieder klar zu machen, dass Afrika "unter Wert" gehandelt wurde. Nichtsdestotrotz sank auch die Mitgliederzahl rapide.

 
 

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel bei der Einweihung des neuen Berliner Büros im April 2011

Für die einzelnen Regionen wurden "Afrika-Kreise" gegründet, in denen sich die Mitglieder des Vereins auch regional zusammenfinden konnten. Der erste Afrika-Kreis wurde in Berlin am 28. Mai 1999 abgehalten.

Auf der Mitgliederversammlung im April 2008 wurde dann offiziell der Afrika-Verein mit einem Zusatz ergänzt: Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft. Der Namenszusatz zeigt deutlicher als vorher, worum es bei der Arbeit des Vereins geht: um die Wirtschaft. Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft eröffnete am 24. September 2008 offiziell und feierlich seine Berliner Repräsentanz.

Der Höhepunkt des Jubiläumsjahrs bildete die Jubiläumsfeier am 6. Mai 2009 in den Räumlichkeiten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Die Anwesenheit von Bundespräsident Köhler und Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg war eine besondere Ehre für den Afrika-Verein. Die rund 300 Gäste der Jubiläumsfeier ein beeindruckendes Bekenntnis des Bundespräsidenten zu einem stärkeren Engagement Deutschlands in und mit Afrika. Auch der Bundeswirtschaftsminister sprach sich für eine engere Zusammenarbeit mit Afrika aus. Die Jubiläumsfeier brachte für diesen außergewöhnlichen Tag das deutsche Afrika-Netzwerk zusammen – ein Netzwerk, das der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft seit inzwischen über 75 Jahren aktiv mitgestaltet und dessen Ausbau auch in Zukunft zu seinen wichtigsten Aufgaben gehören wird. Im April 2011 zog der Afrika-Verein in eine neue und größere Repräsentanz in Berlin, die durch Bundesminister Dirk Niebel eröffnet wurde.

Seit Januar 2012 ist Stefan Liebing neuer Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. Christoph Kannengießer ist seit dem 1. Juni 2012 neuer Hauptgeschäftsführer des Vereins.