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Auf Nigeria setzen?

Als Nigeria vor zwei Jahren Südafrika als stärkste Wirtschaft Afrikas ablöste, redeten alle nur noch vom Boom. Seit der Ölpreis abgerutscht ist, sprechen alle bloß noch von Krise. Wir haben Unternehmen gefragt, wie groß die Chancen und Risiken im Land wirklich sind.

Von Claudia Voß, Moritz Hunger und Michael Monnerjahn

 

 


 


 

»Westafrika hat das Potenzial, das nächste Wirtschaftszentrum des Kontinents zu werden. Nigerias Markt gibt uns die Möglichkeit, Fähigkeiten im Bereich E-Business weiterzuentwickeln und diese in der gesamten Region anzuwenden«, sagt Ansophie Strydom, Kommunikationschefin von SAP South Africa. SAP ist seit 1982 in Afrika aktiv, in Westafrika seit 1997. Im Jahr 2000 wurde SAP West Africa in Lagos ins Leben gerufen. Ein besonderer Schwerpunkt des Walldorfer Softwareherstellers ist der afrikanische Markt. »In den vergangenen Jahren ist dort eine robuste Telekommunikationsbranche entstanden, die auch von den Regierungsbehörden zunehmend ins Auge genommen wurde. Immer mehr Mobilfunkanbieter bieten ihre Dienste an, immer mehr Kunden stürzen sich gierig auf die neue Technologie«, so Ansophie Strydom. Tatsächlich hat sich Nigerias Mobilfunkindustrie in den vergangenen Jahren von einem von der Regierung kontrollierten Raum zu einem riesigen Markt entwickelt, der das Wirtschaftswachstum und auch die technologische Innovation vorantreibt. Nigeria ist mit mehr als 95 Millionen Kunden der größte Mobilfunkmarkt Afrikas. Die Bemühungen der Regierung findet Strydom bemerkenswert: »Die Nation ist sehr weit entwickelt. Gerade in den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Anreize, ausländische Direktinvestitionen und interne Investitionen zu fördern. Solange die Regierung weiter ihren Beitrag zur Wachstums- und Infrastrukturentwicklung leistet, bleibt die Stimmung positiv.« Innovation sei das Rückgrat jeder florierenden Nation und Nigeria sei bereit für Innovationen. »SAP freut sich mit der Regierung zusammenzuarbeiten, damit die neuen Technologien noch besser genutzt und weiterentwickelt werden können.« Von der deutschen Regierung wünscht sich Strydom, sie möge »die gegenwärtigen Beziehungen nutzen und die Region Westafrika im Zuge der digitalen Transformation unterstützen.«

 

 

 



 

»190 Millionen Menschen leben in Nigeria, aber auf 1000 Einwohner kommen bislang lediglich sechs Fahrzeuge. Da schlummert unglaubliches Potenzial«, sagt Vito Cocina, Area Sales Manager Subsahara der Volkswagen AG. Bislang ist der Absatz von Neuwagen in Nigeria auf niedrigem Niveau. Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) schätzt ihn auf lediglich einige zehntausend Autos.Für Volkswagen ist Nigeria bekanntes Terrain. Bereits 1975 hatte der Konzern in Nigeria eine eigene Produktion. »Dort wurde zunächst der Käfer produziert, später auch Nutzfahrzeuge«, so Cocina. Ein großer Anteil der sogenannten »People Mover« sind Volkswagen Bullis aus der damaligen Produktion. »Sie sind heute noch der fahrende Beweis für eine erfolgreiche Produktion in Nigeria «, sagt Cocina. Die Produktion wurde allerdings wegen der schlechten Wirtschaftslage und der fehlenden Verfügbarkeit von Devisen Anfang der 1990er-Jahre eingestellt. Erst 2015 kehrte der deutsche Autohersteller mit einer Produktion ins Land zurück. Seitdem findet die Wiedergeburt von Nigerias Autoindustrie auf dem ehemaligen Betriebsgelände von Volkswagen in Lagos statt. Gemeinsam mit der Stallion Gruppe werden dort beispielsweise der VW Passat, das Coupé auf Passat- Basis: der CC und der Pick-up Amarok montiert. Aufgrund des niedrigen Ölpreises und fallender Naira-Wechselkurse erlebe VW derzeit eine ähnliche Situation wie beim ersten Engagement in Nigeria. Man wisse aber, worauf man sich eingelassen habe. »In Nigeria sind ein langer Atem und ein vertrauenswürdiger Umgang mit Partnern vor Ort essenziell«, sagt Cocina. Er hofft, dass die vom vorherigen Präsidenten Goodluck Jonathan eingeführte Automotive Policy fortgesetzt wird. Das Engagement von Volkswagen in Nigeria sei schließlich mittel bis langfristig angelegt.

 

 


 

»2016 war auch für die Commerzbank ein herausforderndes Jahr am Standort Nigeria«, sagt Olaf Schmüser, der die Repräsentanz der Commerzbank in Lagos leitet. »Sollte die wirtschaftliche Entwicklung 2017 stagnieren, wäre das für mich bereits eine positive Nachricht.« Dass die nigerianische Regierung versucht, der wirtschaftlichen Entwicklung mit Devisen- und Einfuhrbeschränkungen etwas entgegenzusetzen, kann Schmüser nachvollziehen. Seiner Einschätzung nach hat die staatliche Lenkung jedoch vor allem für Unternehmen katastrophale Folgen, die bei der Produktion auf Importe angewiesen sind. Auch wenn der Devisenmarkt mittlerweile etwas geöffnet wurde, lasse die benötigte Währungsliquidität noch zu wünschen übrig. Laut Schmüser bleiben der Regierung gut 18 Monate, um es zu richten. Bereits Mitte 2018 beginnt in Nigeria der Wahlkampf. Mit Fokus auf Landwirtschaft und Bergbau setze die Regierung zwar die richtigen Schwerpunkte, ein Masterplan sei zwar schon ausgearbeitet und in Grundzügen erkennbar, aber noch nicht offiziell verkündet. Zudem sei nicht definiert, wo die dringend nötige Anschubfinanzierung herkommen soll. Dabei helfen könnte die Herausgabe eines rund eine Milliarde schweren Eurobonds. Oder die vor kurzem erteilten Kredite des Internationalen Währungsfonds sowie der Afrikanischen Entwicklungsbank. Die Commerzbank ist in Nigeria heute vor allem im Interbankengeschäft tätig. Die Repräsentanz in Lagos unterhält gute Beziehungen zu Korrespondenzbanken, zur Zentralbank des Landes, der staatlichen Ölbehörde und dem Finanzministerium. Die Bank kommt auch entwicklungspolitischen Zielen nach, wenn sie Finanzlösungen für die Regierung erarbeitet oder ihr Knowhow an nigerianische Kreditinstitute weitergibt. Ziel der Commerzbank ist es, ihren Firmenkunden eine Plattform zu stellen, mittels welcher der Außenhandel mit Nigeria langfristig und auch unter schwierigen Bedingungen auf- und ausgebaut werden kann. So können die Firmenkunden der Commerzbank auch heute von den nach wie vor enormen Marktchancen des Landes profitieren.