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Baumwolle: Unternehmerverband wehrt sich gegen Vorwurf der Kinderarbeit

In einer „Declaration Of Denial“ vom 15. Dezember 2011 hat sich der burkinische Verband der Baumwollproduzenten (Union Nationale des Produc-teurs de Coton du Burkina – UNPCB) gegen die Behauptung des Journalisten Cam Simpson vom Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg gewehrt, in Bur-kina Faso würden bei der Produktion von „Fair Trade“-Baumwolle zwangsweise Kinder beschäftigt. Man sei überrascht und sehr bestürzt über die falschen Anschuldigungen, heißt es in der an Simpson persönlich gerichteten, von UNPCB-Präsident Karim Traoré unterzeichneten Erklärung. So habe Simpson die Namen dreier angeblicher Baumwollunternehmer genannt, von denen jedoch nur einer, der 69-jährige Louis Joseph Kambiré, tatsächlich als Baumwollproduzent tätig sei. Die anderen beiden von Simpson aufgeführten Personen hätten noch nie mit diesem Gewerbe zu tun gehabt. Kambiré selbst habe bestätigt, dass er, entgegen der Behauptung, zwei zehn- und zwölfjährige Kinder sorgten für sein Einkommen als „Fair Trade“-Baumwolllieferer, zu keiner Zeit erklärt habe, dass er Kinder als Arbeitskräfte benutzt oder sie zur Arbeit ermutigt hätte. Kambiré spreche nur Dagara und sei der Überzeugung, dass seine Äußerungen im Interview mit Simpson entweder von diesem selbst oder von dessen Übersetzer substanziell ver-fälscht worden seien.
In der Erklärung heißt es weiter, dass Simpson seine „Story“ nach einem Auf-enthalt von nur sechs Wochen in Burkina Faso verfasst habe. Auf der Basis von Aussagen zweier Personen, die mit dem Verband nichts zu tun hätten, habe er eine der größten „Erfolgsgeschichten“ in Burkina Faso diskreditiert. Die UNPCB trage jedoch entscheidend zur Verbesserung der Lebensbedin-gungen von 6.200 Menschen und mehr als 40.000 Familienmitgliedern bei, seit sie 2004 ein Förderungsprogramm für die Baumwollfarmer aufgelegt ha-be, das 2007 in Partnerschaft u. a. mit den Unternehmen MAS und ALOK er-weitert worden sei, um vor allem die Ausbildung von Frauen im Baumwollsektor zu verbessern. Das Programm werde von internationalen Partnern finanziell unterstützt und entspreche den strengen Normen, die etwa vom US-Wäschehersteller Victoria’s Secret als Bezieher der burkinischen Baumwolle gesetzt würden.

Cam Simpson war früher Korrespondent der „Chicago Tribune“ und des „Wall Street Journal“. Er wurde mehrfach ausgezeichnet (u. a. mit dem George Polk Award und dem Michael Kelly Award). Er wiederholte seine Vorwürfe der „er-zwungenen Kinderarbeit“ auf sogenannten „Fair Trade“-Baumwollfarmen in Burkina Faso am 15. Dezember 2011 in der Sendung „Countdown“ im Fern-sehkanal von Bloomberg. Sein Artikel, wonach Victoria’s Secret die Baumwol-le aus Burkina Faso auf der Basis von erzwungener Kinderarbeit – er führte auch das Beispiel eines 13-jährigen Mädchens namens Clarisse Kambiré an – bezieht, erschien vorher im „Bloomberg Markets Magazine“. Victorien Kamboulé, auf dessen Farm im Dorf Benvar das Mädchen angeblich zur Arbeit gezwungen werde, ist jedoch nach Darstellung der UNPCB gar kein Baumwollfarmer. Die World Fair Trade Organization bezeichnete die Vorwür-fe, die sich auch gegen die Schweizer Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit HELVETAS Swiss Intercooperation richten, als schockierend und hat umfassende Untersuchungen angekündigt.

Bloomberg hat nach der Protestnote der UNPCB erklärt, dass die in Simpsons Artikel erhobenen Vorwürfe noch einmal überprüft worden seien und man an ihnen festhalte. (pm)