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Neue Dynamik in den tunesisch-libyschen Wirtschaftsbeziehungen

Tunesien hat infolge des libyschen Aufstandes im Februar 2011 rund 900.000 Flüchtlinge aus Libyen aufgenommen. Aufgrund der Solidarität kann das Land mit einer besonderen Berücksichtigung beim Wiederaufbau Libyens rechnen. Tunesische Arbeitnehmer und Unternehmen stehen in den Startlöchern und suchen nach Kooperationspartnern, auch aus Deutschland.

Beim Ausbau der tunesisch-libyschen Wirtschaftsbeziehungen laden die Tunesier die Deutschen als Partner ausdrücklich ein: "Es gibt für deutsche Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten mit tunesischen Partnern den stark wachsenden libyschen Markt zu erschließen", so Abdellatif Hamam, Chef der tunesischen Exportförderungsagentur Cemex im Rahmen des deutsch-tunesischen Wirtschaftsforums in Tunis im November 2011. Zudem soll in Libyen künftig mit intransparenten Methoden Schluss sein, so der Cepex Chef auf dem Wirtschaftstreffen, das die Deutsch-Tunesische Industrie- und Handelskammer (AHK-Tunesien) gemeinsam mit der tunesischen Investitionsbehörde FIPA organisiert hat. Hamam sieht vor allem Chancen für eine Kooperation in den Bereichen Infrastruktur, Anlagenbau und Medizin.

Während des Aufstandes in Libyen gegen Muammar al Gaddafi hat die tunesische Übergangsregierung nicht aktiv die Revolte unterstützt, um ein Übergreifen des Krieges auf Tunesien zu verhindern. Die Solidarität gegenüber den libyschen Flüchtlingen hat aber für große Sympathien gesorgt. Vertreter der libyschen Übergangsregierung haben im Oktober 2011 dem von einer hohen Arbeitslosigkeit geplagten Tunesien die Aufnahme von 300.000 Gastarbeitern versprochen (vor dem Krieg in Libyen waren es knapp 90.000). Zudem möchten libysche Stellen die Tunesier am Wiederaufbau ihres Landes beteiligen. Auf die Versprechen ist jetzt schon ein erster, wichtiger Schritt erfolgt: Seit dem 11.11.2011 entfällt die Visapflicht für Tunesier.

Auch Katrin Laskowski vom Afrika Verein der deutschen Wirtschaft unterstrich auf dem Forum die Chancen für die deutsche Wirtschaft. Auch sie erwartet aus dem tunesisch-libyschen Austausch eine neue Dynamik, von der auch deutsche Unternehmen profitieren können: "Das Geschäftsumfeld in Libyen war nie ein leichtes. Die Zusammenarbeit mit deutschen Partnern ist in Libyen aber nach wie vor sehr gefragt und willkommen", so die Libyenexpertin im Gespräch mit Germany Trade and Invest.

Die Idee, den libyschen Markt über deutsch-tunesische Kooperationen zu erschließen, erscheint durchaus sinnvoll. So hatten deutsche Unternehmen immer schon Schwierigkeiten, Ingenieure und andere Fachkräfte zu rekrutieren, die für die Bau- oder Produktionsleitung sowie für eine Vertretung längere Zeit in Libyen bleiben wollten. Darüber hinaus fehlt mittelständischen Unternehmen aus Deutschland oftmals die Kenntnis über den libyschen Markt und das dortige Geschäftsgebaren. Tunesische Unternehmen können auf historische Geschäftsbeziehungen zu Libyen und qualifiziertes Personal zurückgreifen. Im Gegenzug können deutsche Unternehmen ihr Know-how in eine Partnerschaft einbringen.

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Maghrebländern Tunesien und Libyen waren jedenfalls Beobachtern zufolge noch nie so aussichtsreich. Vor dem arabischen Frühling gab es zwar einen bedeutsamen bilateralen Handel und eine Reihe von Investitionsprojekten im jeweils anderen Land, das Verhältnis war aber immer den Launen des nun gestürzten Revolutionsführers Gaddafi ausgesetzt. Die Hoffnungen der Tunesier auf einen Aufschwung in den tunesisch-libyschen Wirtschaftsbeziehungen sind jetzt sehr groß und das nicht nur bei den Arbeitssuchenden, sondern auch bei den tunesischen Unternehmen. Im Zuge der bestehenden Euphorie hat der tunesische Unternehmerverband UTICA im Oktober 2011, eine Freihandelszone mit dem erdölreichen Libyen vorgeschlagen.

Neue Dynamik in den tunesisch-libyschen Wirtschaftsbeziehungen