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„Afrika ist bei der Entwicklung von Innovationen gegen Corona auf Augenhöhe mit Weltmarktführern“

Dr. Matshidiso Moeti, Regionaldirektorin Afrika der WHO, im Gespräch mit dem Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft.

Afrika ist bislang besser durch die Corona-Pandemie gekommen als zunächst befürchtet. Der Kontinent hat bisher (Stand: Ende Januar 2021) „nur“ knapp 3,5 Millionen COVID-19-Fälle und „nur“ rund 88.000 Todesopfer zu beklagen – und das bei einer Bevölkerung von mehr als 1,2 Milliarden. Warum bleibt Afrika bisher von der ganz großen Corona-Welle verschont?

Einer der wichtigsten Faktoren zur Verlangsamung der Ausbreitung von COVID-19 war die schnelle und entschlossene Reaktion vieler afrikanischer Länder. Mehr als 90 Prozent setzten Maßnahmen für den internationalen Reiseverkehr um, wie etwa Grenzschließungen oder verpflichtende Quarantäne für ankommende Passagiere. Viele Regierungen richteten sektorübergreifende Notfallmanagementsysteme ein und konzentrierten sich dabei auf vier Schlüsselfaktoren: die Neigung, sich zu versammeln – was durch die Begrenzung von Massenversammlungen reduziert wurde; soziale Faktoren – was durch die Umsetzung von physischer Distanzierung und der Beschränkung von Aktivitäten in Innenräumen reduziert wurde; die Mobilität der Bevölkerung – was durch Lockdowns begrenzt wurde, sowie Hygienemaßnahmen wie die nachdrückliche Empfehlung, sich regelmäßig die Hände zu waschen.

Afrikas Bevölkerung ist jung. Das Durchschnittsalter liegt bei 19,7 Jahren. Spielt auch das eine Rolle bei den bisher eher geringen Opferzahlen?

Obwohl dies eine Rolle spielen mag, ist es wichtig zu beachten, dass die jüngere Bevölkerung nicht vor der Ansteckung mit COVID-19 geschützt ist. Junge Menschen können sich genauso infizieren und die Krankheit übertragen wie Ältere. Allerdings haben Jüngere häufiger eine milde Form der Krankheit oder sind sogar asymptomatisch. Es gibt weitere Faktoren, die die vergleichsweise geringen COVID-19-Infektionen und -Todesfälle in Afrika erklären könnten. Die geringere Bevölkerungsdichte und Mobilität sowie das Klima tragen möglicherweise dazu bei. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, bevor wir hier klare Aussagen treffen können.

Sie haben sich dafür ausgesprochen, dass in Afrika Innovationen gefördert werden sollten, damit der Kontinent gut durch die Krise kommt. Warum?

Die Corona-Pandemie treibt weltweit Innovationen an. Eine Studie, die wir durchgeführt haben, um die globale Landschaft für technologische Innovationen im Zusammenhang mit COVID-19 zu kartieren, hat gezeigt, dass Afrika bei der Entwicklung dieser Innovationen mit führenden globalen Akteuren gleichauf lag. Viele dieser Innovationen haben zu einer verbesserten Reaktion in Bereichen wie Risikokommunikation, Infektionsprävention und -kontrolle, Überwachung und Kontaktverfolgung beigetragen. Zu den Innovationen gehören Schutzmasken aus dem 3D-Drucker, kontaktlose Desinfektionsmittelspender, Informationsmanagementsysteme, SMS-Warnungen, Chatbots und WhatsApp-basierte Plattformen. Darüber hinaus gab es Innovationen in den Bereichen E-Commerce, Telemedizin, E-Learning und virtuelle Meetings als soziale Distanzierungsmaßnahmen, um die Ausbreitung der Pandemie zu bremsen.

Welche Rolle spielen Innovationen generell in afrikanischen Gesundheitssektoren?

Die Nutzung von Innovationen und digitalen Lösungen ist der Schlüssel für die Zukunft der Gesundheit in Afrika. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir Verbesserungen im Gesundheitswesen beschleunigen, indem wir fortschrittlichere Technologien und innovative Ansätze verfolgen. So gibt es zum Beispiel enorme Möglichkeiten und Potenziale für innovative und kostengünstige neue Impfstoffe, Diagnostika, Therapien und Anwendungen der Informationstechnologie für Prävention und Pflege. Kontinuierliche Innovation ist entscheidend für die Entwicklung widerstandsfähiger Gesundheitssysteme, die auf die sich ändernden Bedürfnisse der Bevölkerung reagieren.