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Der Weg, den wir eingeschlagen haben, gilt der Handels- und Investitionskooperation

Nana Akufo-Addo, Präsident der Republik Ghana, im Gespräch mit dem Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft

Herr Akufo-Addo, seit 2017 sind Sie Präsident Ghanas, im Dezember wurden Sie im Amt bestätigt. Angela Merkel wird die politische Bühne nach 16 Jahren im Kanzleramt verlassen. Ein Schritt, den Sie nachvollziehen können?

Angela Merkel ist nach einhelliger Meinung eine herausragende europäische Staatschefin ihrer Generation. Ihre starke Persönlichkeit und ihr vorbildlicher, pragmatischer Führungsstil haben zweifelsohne dazu beigetragen, eine florierende deutsche Wirtschaft aufzubauen und transformative Reformen und Maßnahmen in den Bereichen Energie, Migration und Klimawandel mit positiven Ergebnissen umzusetzen. In ihrer Amtszeit konnten Afrika und ganz besonders Ghana einen verstärkten Fokus auf deutsch-afrikanische Partnerschaften beobachten. Sie wurde viermal in Folge gewählt, was für ihren Erfolg und ihre Leistungen im Amt spricht. Daher kann ich ihre Entscheidung verstehen, die politische Bühne nach 16 anstrengenden Jahren im Kanzleramt verlassen zu wollen. Ich denke, sie tut dies, weil sie anderen die Chance geben will, die Verantwortung für ein starkes Deutschland zu übernehmen. Wir wünschen ihr alles Gute - und wir in Ghana werden sie sehr vermissen.

Ghana und Deutschland verbindet eine langjährige Partnerschaft, Ghana ist Mitglied der Initiative Compact with Africa (CwA) und hat eine Reformpartnerschaft mit Deutschland unterzeichnet. Was erhoffen Sie sich von Merkels politischer Nachfolge?

Ghanas Mitgliedschaft im CwA hat sich als sehr positiv und fruchtbar erwiesen. Sie hat zu verstärkten privatwirtschaftlichen Partnerschaften zwischen Deutschland und Ghana geführt. So hat etwa der deutsche Automobilriese Volkswagen ein Fahrzeugmontagewerk in Ghana gebaut; und fairafric, ein deutsch-ghanaisches Unternehmen, produziert in Ghana Schokolade. Ich kann nur hoffen, dass diese bedeutenden Fortschritte, die im Rahmen unserer Partnerschaft erzielt wurden, unter Merkels politischen Nachfolgern fortgesetzt werden. Der Weg, den wir eingeschlagen haben, gilt der Kooperation in den Bereichen Handel und Investitionen und nicht der Entwicklungshilfe. Dieser Weg sollte auch von ihren Nachfolgern fortgesetzt werden.

Sie haben mal erklärt, Ghana zum wirtschaftsfreundlichsten Land Afrikas machen zu wollen. Wie stehen, auch angesichts der Corona-Krise, die Chancen, diesen ehrgeizigen Plan umzusetzen?

In meiner ersten Amtszeit habe ich daran gearbeitet, die Grundlagen der ghanaischen Wirtschaft zu korrigieren, die alle in die falsche Richtung wiesen. Wir haben im Laufe der Zeit Maßnahmen ergriffen, die notwendig waren, um die Kosten für Unternehmen zu senken, das Geschäftsumfeld zu verbessern und die ghanaische Wirtschaft nicht nur zu einer der unternehmensfreundlichsten Volkswirtschaften Afrikas, sondern auch zu einer der zwischen 2017 und 2020 am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt zu machen.

COVID-19 hat viele Länder auf der ganzen Welt in eine Rezession gestürzt. Ghanas Wirtschaft war eine der ganz wenigen, die noch ein positives BIP-Wachstum verzeichnen konnte, nämlich 1,9 Prozent im Jahr 2020 – wenn auch deutlich reduziert von den durchschnittlichen Werten von sieben Prozent pro Jahr, an die wir uns von 2017 bis 2020 gewöhnt hatten.

Trotz der Verwüstungen durch die Pandemie arbeiten wir daran, die Wirtschaft in diesem Jahr deutlich schneller wachsen zu lassen, unser Ziel ist ein BIP-Wachstum von fünf Prozent. Noch leiden wir unter den Auswirkungen von COVID-19, aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns durch die Fortschritte des Impfprogramms schnell erholen und daran arbeiten können, unser Land auf den Pfad des Fortschritts und des Wohlstands zurückzubringen. Unser Land ist nach wie vor sehr attraktiv für Investoren. Die jüngste Entscheidung von Twitter, seinen afrikanischen Hauptsitz in Ghana anzusiedeln – nur ein Jahr, nachdem Google sein erstes Zentrum für künstliche Intelligenz in Afrika in Ghana gegründet hat, beweisen dies einmal mehr.

Apropos Corona: Ende Februar hat Ghana als weltweit erstes Land Impfstoff über das internationale COVAX-Programm erhalten. Sie wurden Anfang März gegen COVID-19 geimpft. Wie geht es Ghana während der Pandemie?

Genau, am 24. Februar sicherte sich die ghanaische Regierung die erste Charge Impfstoffdosen aus der COVAX-Initiative. Die Impfkampagne läuft derzeit und bis zum 20. April wurden bereits fast eine Million Menschen in Ghana geimpft. Das Ziel ist es, bis zum Ende des Jahres zwanzig Millionen Ghanaer (von
einer Bevölkerung von dreißig Millionen) zu impfen. Die Regierung arbeitet hart daran, dieses Ziel zu erreichen. Wir arbeiten darauf hin, mehr Impfdosen zu erhalten und auch durch die strikte Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen die Möglichkeit zu erlangen, unser Land wieder zu öffnen und unser Leben und unsere Lebensgrundlagen wieder zu normalisieren.

Wir in Ghana haben entgegen der Befürchtungen, die viele über die Auswirkungen der Pandemie in Afrika hatten, eine relativ günstige Situation erlebt. Die Zahl der aktiven Fälle in Ghana ist rückläufig und lag am 16. April bei rund 1.350 Fällen. Wir haben 772 Todesfälle zu verzeichnen. Das ultimative Ziel sind null aktive Fälle und wir werden so lange daran arbeiten, bis wir dieses Ziel erreicht haben.

Am 1. Januar ist die AfCFTA in Kraft getreten, das AfCFTA-Sekretariat wurde bereits im vergangenen Jahr in der ghanaischen Hauptstadt Accra eröffnet. Was erhoffen Sie sich von der panafrikanischen Freihandelszone?

Die AfCFTA wird alle 54 Länder, die insgesamt 1,2 Milliarden Menschen umfassen, zu einem einzigen Markt verbinden. Es ist die größte Freihandelszone der Welt außerhalb der Welthandelsorganisation
(WTO) selbst. Bis 2050 wird sie schätzungsweise 2,5 Milliarden Menschen umfassen und mehr als ein Viertel der erwerbstätigen Weltbevölkerung beherbergen.

Stellen Sie sich die Investitions- und Geschäftsmöglichkeiten vor, die die Infrastruktur bietet, die erforderlich sein wird, um diese Märkte effektiver miteinander zu verbinden. Stellen Sie sich die Geschäftsmöglichkeiten vor, die dieser riesige Markt Produktions- und Dienstleistungsunternehmen aus europäischen Ländern bieten würde, die Produktionsstätten in Afrika gründen könnten, um die afrikanischen Märkte zu bedienen. Mit dem beschleunigten Wachstum, das sich aus all dem ergeben würde, könnten die Marktchancen für Exporteure aus Deutschland und europäischen Ländern wirklich großartig sein.

Ghana setzt sich voll für die Umsetzung der AfCFTA ein. In dem kollektiven Wunsch nach gemeinsamem Wohlstand verbunden, sind wir zuversichtlich, dass die AfCFTA erfolgreich sein wird und einen neuen Impuls und eine neue Dynamik für das schnelle Wachstum der afrikanischen Volkswirtschaften erzeugt und den Integrationsprozess in Afrika vertieft.