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Mitgliederumfrage des Afrika-Verein: Deutsche Unternehmen gehen verhalten-optimistisch ins Afrikageschäft 2026

Berlin, 10. Februar 2026 – Die deutsche Wirtschaft blickt vorsichtig optimistisch auf das Afrikageschäft 2026. 63,5% der Mitgliedsunternehmen erwarten eine bessere Geschäftsentwicklung, 25,0 % gehen von Stagnation aus, 11,5 % sind skeptischer. Das ist weiterhin ein positiver Ausblick – allerdings gegenüber früheren Perioden spürbar weniger zuversichtlich. 2024 lagen die positiven Erwartungen noch bei 74,1 %. Für viele Unternehmen bleibt Afrika dennoch ein strategischer Stabilisator: als Markt, als Beschaffungs- und Produktionsstandort und als Baustein der Diversifizierung. Zugleich fällt das Urteil über die Afrikapolitik der Bundesregierung ernüchternd aus: 43,4 % bewerten sie negativ, 18,9 % positiv, 37,7 % neutral.

Für 2025 ziehen die befragten Unternehmen eine eher verhaltene Bilanz. 46,2 % der befragten Firmen bewerten ihr Afrikageschäft positiv, 34,6 % neutral und 19,2 % negativ – gegenüber 2023 (positiv 58,2 %, negativ 12,7 %) ein klarer Rückschritt. AV-Hauptgeschäftsführer Christoph Kannengießer erklärt: „Unsere Unternehmen sind bereit, Projekte zu entwickeln, zu investieren und Partnerschaften zu vertiefen. Allerdings belastet die schwache Konjunktur und der Kostendruck auch das Afrikageschäft. Was auch immer noch fehlt, ist eine Bundesregierung, die Afrikapolitik konsequent an der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf dem Kontinent ausrichtet, statt Ressort-Puzzle. Es geht um mehr Tempo, Planbarkeit und Schlagkraft. Wir sehen die Bemühungen der Bundesregierung, hier besser zu werden. Bei den Unternehmen ist das aber noch nicht angekommen.“

Ein besonders wichtiger Hebel für mehr Direktinvestitionen liegt bei den Doppelbesteuerungsabkommen. 36,5 % aller befragten und die große Mehrheit der investierten Unternehmen sehen fehlende DBAs als Wettbewerbsnachteil – durch steuerliche Unsicherheit, höhere Gesamtbelastung und Nachteile in Ausschreibungen. „Wer deutsche Investitionen in afrikanischen Märkten ernsthaft will, muss steuerliche Planbarkeit als Wettbewerbsfaktor mitdenken“, so Kannengießer.

Ähnlich grundlegend ist das Thema Visa: 34 % sehen in der Visa- und Migrationspolitik den größten Handlungsbedarf. Für Projektgeschäft, Serviceeinsätze und Trainings zählt Verlässlichkeit – Verfahren müssen praxistauglich, berechenbar und planbar sein, damit Vorhaben nicht an administrativen Engpässen scheitern.

In den Märkten selbst hemmen Bürokratie/Korruption und Finanzierung/Zugang zu Kapital unternehmerischen Erfolg. „Das ist kein Freibrief für Pauschalurteile, sondern ein Arbeitsauftrag: Investitionsbedingungen müssen verbessert, Verfahren transparenter und verlässlicher werden“, sagt Kannengießer. Und: „Bürokratieabbau ist kein afrikanisches Thema allein – wer Wettbewerbsfähigkeit ernst meint, muss auch in Deutschland und international konsequent an schlankeren Prozessen arbeiten.“